Zum weltweiten Josefsjahr

Mit dem Herzen eines Vaters

Papst Franziskus hat das Jahr 2021 in besonderer Weise dem hl. Josef gewidmet. Dieses Josefsjahr dauert vom 8. Dezember 2020 bis 8. Dezember 2021. Besonders in der aktuellen Coronapandemie möchte Papst Franziskus das Vertrauen der Gläubigen in diesen „Heiligen des Alltags“ erneuern.

Er zieht die Kirche aus dem Dreck
Der selige Papst Pius IX. erhob vor 150 Jahren den Ziehvater Jesu zum Schutzpatron der weltweiten Kirche. Damals durchlebte die Kirche schwierige Zeiten. Viele waren überzeugt, dass es die Kirche „nicht mehr lange machen würde“. Deshalb bekannte der Papst im Jahre 1871 sein großes Vertrauen, dass sich der hl. Josef genauso um die Kirche kümmert, wie er es für die Gottesmutter Maria und Josef getan hat. Ein Journalist fasste in der vergangenen Woche seine Überlegungen zum hl. Josef zusammen mit Worten, die aus den Herzen des seligen Papstes Pius IX. und von Papst Franziskus stammen könnten: Der hl. Josef zieht die Kirche aus dem Dreck (vgl. Die Tagespost, 4. März 2021). Er befreit sie aus dem lähmenden Morast innerkirchlicher Diskussionen und gegenseitiger Anfeindungen ebenso wie von außen kommenden Gefahren und Ideologien. Der hl. Josef steht der Kirche bei, so wie er Maria und Josef zur Seite gestanden ist: treu in schwierigen Zeiten, stärkend in Zeiten der Schwäche, ermutigend in Zeiten der Stärke und auf Gott hörend inmitten vieler verschiedener Stimmen und Versuchungen.

Der hl. Josef – Man of the year
Der Blick in die Geschichte könnte den Eindruck erwecken, dass die Kirche und die Welt von einer Krise in die andere taumeln. Unsere Gegenwart ist geprägt von gewaltigen Umstürzen in der jüngeren Geschichte. Denken wir an die verschiedenen Wellen der industriellen Revolution (ab dem 18. Jh.) und die wiederkehrenden Wirtschaftskrisen. Politische Revolutionen gipfelten in Bürgerkriegen, im Untergang der Monarchien, in den beiden Weltkriegen, im kalten Krieg, in der Überwindung des Kommunismus in Europa, im islamistischen Terror und in den großen Fluchtbewegungen. Wir stecken mittendrin in den Folgen der sexuellen und digitalen Revolution. Viele Ergebnisse dieser Revolutionen sind für uns heute selbstverständlich und entsprechen der biblischen Botschaft. Andere entsprechen nicht Gottes Wort und deren Überlieferung. Und wenn auch um die „Verheutigung“ der kirchlichen Botschaft leidenschaftlich gerungen wird, rutschen die Kirche, Gottes Wort und seine Akzeptanz mehr und mehr ins gesellschaftliche Abseits. Als wäre das alles nicht schon genug an Problemen, erleben wir seit einem Jahr die Pandemie, die vieles in unserem Zusammenleben lähmt.

In diese Situation hinein erklärt Papst Franziskus den hl. Josef zum Mann des Jahres. Man fragt sich: Wie soll jemand helfen, die Probleme von heute zu bewältigen, der vor 2000 Jahren gelebt hat? Für die Kirche und den Papst ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Heilige keine „Außerirdischen“ sind. Es sind Menschen, denen es in hervorragender Weise gelungen ist, die Herausforderungen ihres Lebens im Sinne Gottes zu meistern. Deshalb betont der Papst in seinem Schreiben Patris corde (auf Deutsch: Mit dem Herzen eines Vaters) den kreativen Mut von Jesu Ziehvater, ebenso seine Zurückhaltung und sein Verantwortungsgefühl. Der Blick auf die vielen derzeit ungelösten Probleme der Welt und gerade die Pandemie mit ihren Folgen zeige, wie wichtig für unser alltägliches Leben nicht die Prominenten der Headlines und TV-Shows seien, sondern Menschen, die jeden Tag Geduld und große Hoffnung beweisen und sich bemühen, nicht Panik zu streuen, sondern Verantwortungsbewusstsein.

Wir fallen immer wieder auf die Füße
Menschen, die nicht Panik streuen, sondern Verantwortungsbewusstsein, beweisen, tragen dazu bei, dass wir, die Kirche und die Gesellschaft trotz vieler Turbulenzen „immer wieder auf die Füße fallen“ und weitergehen können. Der hl. Josef taugt in der Tat als Vorbild für die stillen Helden, die in vielseitiger Art und Weise für das Gelingen unseres Lebens Sorge tragen und dazu beitragen, dass wir unsere Zukunft lieben dürfen. Der hl. Josef ruft uns zu: Jammern, Lethargie und Selbstmitleid sind keine Voraussetzung für eine gute Zukunft. Im Blick auf den hl. Josef und sein in der Bibel überliefertes Verhalten können wir, auch wenn wir vielfach stolpern, mit Freude unsere Zukunft gestalten. Wir dürfen unsere Zukunft lieben.

Pfarrliche Angebote
Deshalb wollen wir in den kommenden Monaten durch verschiedene Angebote rund um unsere St.-Josefs-Kirche diesen großen Heiligen besser kennenlernen.

Wir beginnen mit einem Neun-Tage-Gebet (Novene) als Vorbereitung auf das Patroziniumsfest. Dazu haben wir am vergangenen Sonntag eingeladen. Selbstverständlich kann diese Novene jederzeit gebetet werden. Die Gebetszettel sind in den Kirchen und auf unserer Website erhältlich.

In der Nische im hinteren Bereich der St.-Josefs-Kirche werden wir eine temporäre St.-Josefs-Kapelle errichten. Eine Zimmermanns-Konstruktion verweist auf den Beruf des hl. Josefs und von Jesus. Eine Ikone zeigt den hl. Josef mit dem Herzen eines Vaters und als Mann der Gerechtigkeit.

Im April und Mai suchen wir nach dem hl. Josef von nebenan. Wir laden ein, von Menschen zu erzählen, die euch mit dem Herzen eines Vaters/einer Mutter begegnet sind. Wir freuen uns über Zusendungen von Erinnerungen und Erlebnissen mit einer für euch unvergesslichen Person, durch die ihr die herzliche Fürsorge und den kreativen Mut erfahren habt, die den hl. Josef auszeichnen.

Anlässlich der Langen Nacht der Kirche Ende Mai entdecken wir die öffentlichen Spuren des hl. Josefs in Rankweil.

Im Juni planen wir am St.-Peters-Bühel ein Vatertags-Picknick. 

Der hl. Josef ist der Landespatron Vorarlbergs. Deshalb besichtigen wir in den Sommermonaten unterschiedliche Josefs-Kirchen im Ländle. Wir fahren nach Dafins, Kennelbach und Bürserberg.  

Ende August laden wir alle Josefinen, Josefs, Finis, Joes, Sepps usw. zu einem Treffen im Mesnerstüble am Liebfrauenberg ein.

Ein altes Sprichwort sagt: Ist Josefi klar, gibt’s ein gutes Honigjahr! Wir basteln deshalb Mitte September Bienenwachstüchlein. Sie sind ein hervorragendes Verpackungsmaterial für Lebensmittel ganz ohne Plastik und Alufolie.

Im Oktober informieren wir uns in Werkstätten von Zimmerern darüber, was Holzbaufachleute, wie es der hl. Josef und Jesus gewesen sind, wirklich tun.

Am Vorabend zum Fest Mariä Empfängnis am 8. Dezember 2021 werden wir das Josefsjahr festlich beschließen.

Alle Detailinformationen zu unserem Josefsjahr finden sich in einem eigenen Folder und auf der Website der Pfarre.

Wir freuen uns auf euer Dabeisein und Mittun. Auf diese Weise können wir die Tugenden und die Tatkraft des hl. Josefs nachahmen und zeigen, dass wir im vertrauensvollen Blick auf ihn unsere Zukunft lieben dürfen, trotz allem Bedrängenden. Mit ihm als Vorbild und Fürsprecher werden wir wie die sprichwörtliche Katze immer „auf die Füße fallen“. *  

Pfr. Walter Juen
Kpl. Paul Niculaesi