Zeit der Hoffnung und der Entkrampfung

Bildquelle (Pixabay): Ryan McGuire (Emotionen – zwei Köpfe)

Zur Fastenzeit 2021

Am nächsten Mittwoch beginnt die 40-tägige Österliche Bußzeit. Neben den üblichen Gottesdiensten wird die Fastenzeit bei uns vor allem durch die Fastenpredigten in der Basilika geprägt, die über Rankweil hinausstrahlen. Sie zählen zu unseren ältesten Wallfahrtsgottesdiensten. Schon im 17. Jahrhundert versammelten sich viele Menschen um das Silberne Wundertätige Kreuz, um sich in der 40-tägigen Fastenzeit nicht nur durch körperliches Fasten, sondern auch durch geistliche Vorträge auf das Osterfest vorzubereiten. Den Menschen damals war es vielfach ein persönliches Anliegen, stärkende und Hoffnung gebende Gedanken zu hören. Vielleicht erscheint es heute manchen fremd, dass es wirklich einmal eine große Anzahl von Menschen gegeben hat, die sich darauf freuten, einer Predigt zuzuhören und diese als Lebenshilfe zu empfinden.  

 

Im Blick ins Heute ist es erfreulich, dass die Fastenpredigten in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren haben. Viele Rückmeldungen lassen erahnen, dass es gelungen ist, diese Predigtgottesdienste durch aktuelle Themensetzungen und durch über den kirchlichen Lebensraum hinaus interessante Prediger und Predigerinnen für einen größeren Zuhörerkreis interessant zu halten. Deshalb ist es sehr bedauerlich, dass es dieses Jahr keine Fastenpredigten in der Basilika geben wird. Schon sehr früh dachte der Wallfahrtskreis über mögliche Themen und Prediger für diese Fastenzeit nach. Der bisherige Pandemieverlauf jedoch verunmöglichte jede Planungssicherheit, auch auf Seiten der möglichen Gastprediger. Seit fast einem Jahr beherrschen das Corona-Virus sowie die vielfältigen Haltungen und Meinungen dazu nahezu alle öffentlichen Diskussionen. So stellte sich die Frage: Was ist eigentlich noch nicht zur Pandemie gesagt worden? Andere Themen für eine Predigtreihe hätten wohl aufgrund der mit der Pandemie verbundenen alltäglichen Einschränkungen des persönlichen Lebens wenig interessiert. Schließlich führten zusätzliche Herausforderungen und Fragen zum Entschluss, in diesem Jahr auf die Fastenpredigten in Rankweil zu verzichten.

Trotz der einschränkenden und manchmal auch bedrückenden Umstände lade ich herzlich dazu ein, die anstehende Fastenzeit und die ihr eigenen im Evangelium grundgelegten Regelungen wieder ernst zu nehmen: der bewusste Blick auf Gott im Gebet, Gottesdienste mitfeiern, Gutes, also Gottgefälliges denken, sprechen und tun, Verzicht üben, Sattheit und Bequemlichkeit überwinden, Streitlust und Rechthaberei zurückstellen, Gemeinschaft und Gemeinsamkeit aufbauen, das finstere Gesicht auffrischen. Von alle dem und auch von anderem hören wir in den Texten des Aschermittwochs, dem Eröffnungstag zur Fastenzeit. Gerade in diesem Jahr können und sollen diese 40 Tage für jeden von uns zu einer Zeit der Hoffnung und Entkrampfung werden. So nämlich erfahren wir Ostern hautnah. Ja, nur so leben wir auch seelisch neu auf, vielleicht sogar schon vor dem eigentlichen Osterfest am 4. April. Dieses entkrampfende, erlösende, ja göttliche Erlebnis wünsche ich euch allen von ganzem Herzen!

Pfr. Walter Juen