Nachruf auf Pfr. Bernhard Manser

Ein Mensch mit einem offenen Blick

Am Osterdienstag mussten wir Pfr. Bernhard Manser im 87. Lebensjahr in Müselbach beerdigen. Nach der Priesterweihe im Jahre 1960 kam er für sieben Jahre als Kaplan nach Rankweil. Hier hinterließ er tiefe Spuren, für die wir zutiefst dankbar sind. Davon erzählen die folgenden Zeilen. 

Sein Einsatz für die Jugend

Anlässlich des Todes „unseres“ Jungscharkaplans werden viele Erinnerungen wach. Eine Chronik hält diese in Wort und Bild fest. Schon bei seiner ersten Dienststelle ab 1960 in Rankweil war Bernhard Manser davon überzeugt, dass Jugendarbeit eine wertvolle Basis für das Leben ist. So gründete er 1960 mit Gerard Mariani und Herwig Thurnher die erste Buben- und 1962 mit Maria Thurnher die erste Mädchen-Jungschargruppe in Rankweil. Darauf folgten jedes Jahr mindestens zwei neue Gruppen.

Wir trafen mit ihm Vorbereitungen für die Jugendarbeit, führten Elternabende durch und feierten viele religiöse und weltliche Jungscharfeste mit ihm. Schon 1960 nahm die Rankweiler Jungschar auf seine Veranlassung hin erstmals an der Dreikönigsaktion der Bundesjungschar teil. Zwei Gruppen besuchten jedes Haus in unserer Gemeinde. Für die Buben waren die Jungschar-Olympiaden 1962 und 1966 unvergessliche Höhepunkte, bei denen Kaplan Manser selbstverständlich mit dabei war.

Wir führten viele Aktionen mit ihm durch, u.a. eine Altpapier-Sammelaktion zum Ankauf eines VW-Busses, und zwar in der Farbe Rot, sowie die Aktion „Hemd und Hose“, eine Kleidersammelaktion für die Menschen um P. Alois Linder im Kongo.

Ganz besonders in Erinnerung sind uns die Sommerlager in Au-Rehmen, der Heimat von Bernhard, in Schönenbach und in Schröcken. Wenn möglich, war er die ganze Zeit dabei. Das war ihm sehr wichtig. Mit ihm sangen wir viel (Und jetzt ein Lied …), machten Bergtouren (oh, wie weit war es zur Biberacher Hütte oder zu Fuß von Rehmen auf die Kanisfluh und zurück), diskutierten, beteten, feierten die Messe, machten Sport, bastelten.
Er war Jurymitglied bei Hitparaden, Modeschauen, baute tolle Lagerfeuer auf … Brigitte Ebenhoch-Gsteu, Christine Mariani, Oma und Opa Müllner sowie seine Schwestern Thekla und Priska sorgten für unser leibliches Wohl, und wir alle genossen es. Er war mit Leib und Seele im Sommerlager.
Bernhard war ein Mensch mit einem offenen Blick, mit klaren Vorstellungen. Disziplin war ihm wichtig, aber immer auf eine sehr wohlwollende und gute Art.
Im Herbst 1967 wurde er Pfarrer von Klösterle, Langen und Stuben. Schwer fiel uns der Abschied! Im Oktober besuchten ihn alle Mädchen-Jungschargruppen an seinem neuen Wirkungsort, wo wir mit ihm ein großes Abschiedsfest mit einem Riesenprogramm feierten. Danke für all sein Wirken in Rankweil!

Die Jungscharführer/innen der damaligen Zeit

 

Sein Einsatz bei der Bürgermusik Rankweil

Bernhard Manser schenkte der Bürgermusik nach kirchlichen Auftritten stets große Anerkennung. Da er Klarinette spielte, luden ihn die Musikanten spontan ein, bei der Musik mitzuspielen. Er sagte Ja und traf damit eine für einen Priester damals ungewöhnliche Entscheidung. Musikalisch war er eine große Stütze. Seine Gemütlichkeit und Kollegialität wurden sehr geschätzt, besonders auch nach den Proben. Die älteren Musikanten begegneten ihm ehrfürchtig und fragten, ob sie ihn mit „Hochwürden“ anreden sollten. Das lehnte er sofort vehement ab.
Wegen der vielen Arbeit beim Bau des Musikheimes und der Organisation des Landesmusikfestes 1964 wurde die Jugendarbeit bei der Musik ausgesetzt. Der Jugendleiter Oskar Schwarzmann bat deshalb Kpl. Manser, die Jugendkapelle wieder aufzubauen und als Dirigent zu führen. Auch dazu sagte er Ja. Da er aber neben seiner umfassenden Jugendarbeit in der Schule und in der Pfarre nur mit tatkräftiger Mithilfe des Vereins dieses Amt aus-üben konnte, nannte er genaue Bedingungen: regelmäßiger musikalischer Unterricht durch Musikanten oder Musiklehrer, die gesamte Organisation durch den Jugendleiter, funktionierende Instrumente. Wir erfüllten seine Wünsche gerne. Nach erfolgreichem musikalischem Wachsen der neuen Jugendkapelle wurden einheitliche Trachtenwesten angeschafft. So konnte er stolz mit „seiner“ Jugendkapelle öffentlich auftreten.

Die Teilnahme der Jugendmusik an einem Jugendfest in Deutschland 1967 war für ihn als Dirigent die größte musikalische Aufgabe und leider auch die letzte nach drei Jahren Aufbauarbeit. Über den dortigen großen Erfolg freute er sich sehr. Bei der Heimfahrt spürten wir, wie schwer es ihm fiel, Rankweil zu verlassen. Beim Abschied mussten wir Musikanten ihm versprechen, das verlässlich weiterzuführen, was er aufgebaut hatte. Wir hielten unser Versprechen. Bei der Beerdigung flüsterte ich an seinem Sarg: Bernhard, die Jugendkapelle Rankweil gibt es heute noch! Danke für alles!

Walter Blocher