Erinnerungen und Erlebnisse

Der hl. Josef nebenan

Wir wollten den „hl. Josef von nebenan“ auch in unsere Pfarrgemeinde entdecken. Deswegen haben wir eingeladen, uns Geschichten von Erinnerungen und Erlebnissen zukommen zu lassen. Vielen Dank für die interessanten und besonderen Textzeilen. Lesen Sie selber.

 

Der Heilige Josef wirklich nebenan

Es war für uns alle an einem Morgen eine freudige Überraschung. Wir durften nämlich feststellen, dass es junge Menschen gibt, die unaufgefordert ihre Hilfe anbieten.

Hauptdarsteller: Julia, eine Alleinerzieherin, mit ihrem zwölfjährigen Sohn Samuel.
Schauplatz: Wohngemeinschaft Übersaxnerstrasse. Dort wohnen 16 Parteien, davon sind mehr als Zweidrittel Pensionisten und alleinwohnende Pensionistinnen.

Am Anfang der ersten Ausgangsbeschränkungen war eines Sonntagmorgens an der Eingangstür ein selbst geschriebenes Plakat aufgeklebt. Dort lasen wir: „Wer Einkäufe, Apothekengänge oder sonstige Wege zu Behörden in der Coronazeit nicht machen kann, melde sich bei mir. Mein Sohn Samuel und ich werden diese Tätigkeiten für euch übernehmen. Blibend gsund und keine Scheu, wir machen das gerne.“ Dieses Angebot wurde von vielen dankbar angenommen und wir sind sehr dankbar für diese wertvolle Hilfe in unserer Wohngemeinschaft, die uns das Leben in dieser schweren Zeit sehr erleichtert hat. Auf diese Weise wurde deutlich spürbar, dass wir nicht nur in einem Haus Wohnungen nebeneinander haben, sondern wirklich eine Wohngemeinschaft sind.

Franz Beck

 

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen fragen Sie den heiligen Josef

Kurz nach Ostern hatte ich meinen Termin für die Corona-Impfung. Diese war trotz des Impfstoffs von AstraZeneca unspektakulär. Danach setzte ich mich – so wie mir geheißen – auf einen Sessel und wartete, ob ich irgendetwas Ungewöhnliches spüren würde. Neben mir saß eine Kollegin. Sie erzählte, dass sie bereits eine Packung Mexalen daheim habe, da sie von ihrer Tochter wisse, dass es nach 10 Stunden mit den Nebenwirkungen losgehe. Ich erklärte, dass ich noch keine Tabletten hätte, aber in diesem Fall auf dem Heimweg noch zur Apotheke fahren würde. Plötzlich kam eine mir unbekannte Frau und drückte mir vier Mexalen-Tabletten in die Hand. Sie habe unsere Unterhaltung mitgehört und da sie eine Packung Mexalen in der Tasche habe und nicht so viele Tabletten brauche, gebe sie mir gerne welche ab. Ich sah sie ziemlich überrascht an, bedankte mich herzlich und fuhr nach Hause. Daheim angekommen, legte ich die Tabletten griff-bereit in die Küche. Da ich auch am nächsten Tag kaum Nebenwirkungen spürte, liegen sie heute noch dort. Aber jedes Mal, wenn ich sie sehe, erinnere ich mich an die Fürsorge, die ich durch diese Frau erfahren durfte. Die Tabletten zeigen eine Wirkung, die in keiner Packungsbeilage zu finden ist: Sie zaubern ein Lächeln in mein Gesicht!

Edith Schmid

 

Liebe Pfarrleitung, liebe Redaktionsmitglieder!

Eurer Einladung, sich an eine unvergessliche, in meinem Fall eine mütterliche Person mit kreativem Mut zu erinnern, komme ich gerne nach.Frau Klothi Häusle (1889 – 1972), zusammen mit ihrem Mann, war Inhaberin des Lebensmittelgeschäftes und der Drogerie am Marktplatz. Sie war eine warmherzige Frau, die durch den Ankauf von Bildern eines im Lazarett Valduna liegenden Künstlers nach dem Krieg diesen unterstützte. Meine Eltern waren im Geschäft Kunden und so erhielt ich zur Erinnerung an meine Erstkommunion am 4. April 1948 ein kleines Bild von der Rankweiler Kirche mit einer Widmung auf der Rückseite. Dieses Geschenk begleitet mich seither und hat immer – auch jetzt in der Alterswohnung – seinen Ehrenplatz.

Ehrentraud Zuchristian

 

Josefsgeschichte von Trudi Giesinger (Haushälterin von Pfr. Bissinger)

Alters- und krankheitsbedingt musste Pfr. Bissinger von seiner geliebten Pfarre Rankweil Abschied nehmen. Seine ganz Kindheit und Jugendzeit lebte er mit seinen Eltern in einem kleinen Häuschen zwischen Lochau und Bregenz – ganz nahe am Bodensee. In diese Gegend zog es ihn wieder hin. Bei einer Tagung in Batschuns fragte mich eine Dame, ob wir (Pfr. Bissinger und ich) schon eine Wohnung gefunden haben. Ich musste sagen: „Nein, wir haben noch keine“. Eine ältere Frau meint: „Das musst du nur dem Hl. Josef sagen.“ Abgesehen was Pfr. Bissinger in seinem Leben für St. Josef geleistet hat, sagte ich in einem Selbstgespräch: „Eigentlich könnte er jetzt auch für uns ein gutes Wort einlegen. Wir Frauen und Mesner und Gärtner schauen schon seit Jahren, dass diese Kirche, die auf deinen Namen getauft wurde, sauber und ansprechend aussieht.“ Ein paar Tage später, wieder zuhause meldetet sich eine Stimme am Telefon: „Hier ist der Hl. Josef“. Nach etlichen Gesprächen und Besichtigungen konnten wir dort einziehen. Wir haben zehn Jahre mit dieser wunderbaren Hausgemeinschaft leben dürfen. Dank dem Hl. Josef

Trudi Giesinger

 

Josefsgeschichte von Edith Schöch

Das Schreiben über den Hl. Josef hat mich angeregt, nachzudenken über die vielen kleinen Freuden, die wir erleben und sie oft nicht sehen oder kaum nachdenken darüber in dieser schnelllebigen Zeit. Dennoch ist es doch das, was das Leben lebenswert macht. Der Wohnungsnachbar, der einem die Tasche abnimmt und über die Stiegen trägt -der kleine Bub, der uns freundlich grüßt – der Schüler, der im Bus aufsteht für die alte Frau -der Autofahrer, der dir den Vorrang lässt -unglaublich viele solcher Anlässe gibt es doch immer wieder. Wir müssen sie nur sehen und schätzen! Würde das nicht unser aller Leben schöner machen? Wir sollten das aber auch sehen und dafür danken.Das macht uns doch gleich glücklicher und positiver. Das täte allen gut!

Edith Schöch, 89 Jahre

 

Der Hl. Josef von nebenan, ein liebender Vater

Als ich vom „heiligen Josef von nebenan“ gelesen habe, ist mir spontan unser Vater eingefallen. Er war ein Mann, der sehr viel gearbeitet hat, um seine Familie gut versorgen zu können. Und trotzdem hat er immer wieder Zeit gefunden, uns Kindern auch sonst seine Fürsorge spüren zu lassen. Ein Beispiel seiner Fürsorge habe ich nie vergessen. Als wir klein waren und er mal früher von der Arbeit nach Hause kam, kam er zum Gute Nacht sagen. Wir lagen schon in den Betten und er sagte: „Lopf Pfüaß amol“ und dann hat er die Füße gut mit der Decke umwickelt, damit wir schön warm haben. Diese kleine Geste erzeugte ein wohliges Gefühl der Geborgenheit und zeigte uns seine Liebe. Natürlich hat er uns noch in vielen anderen Dingen seine Fürsorge gezeigt, aber diese Erinnerung beinhaltet alles und ich denke bis heute daran.

Gerda Poppa