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Ein guter Gedanke

Das Brot des Glücks

Es lebte einmal ein alter und weiser König. Er hatte all die Jahre seines Lebens hindurch sein Volk mit Liebe und Weisheit regiert. Nun fühlte er, daß seine Zeit gekommen war, und er dachte voller Sorge an das, was nach seinem Tod mit seinem Volk und Land geschehen sollte. Da rief er seinen Sohn zu sich, den einzigen, und sprach zu ihm. "Mein Sohn, meine Tage sind gezählt! Geh du deshalb in die Welt hinaus und suche das Brot des Glücks, denn nur wenn du deinen Untertanen das Brot des Glücks geben kannst, werden sie satt werden, und du wirst ihnen ein guter König sein."

So ging der Prinz in die Welt hinaus und suchte das Brot des Glücks. Aber in welche Backstube er auch schaute, in welchem Laden er auch nachfragte, niemand kannte das Brot des Glücks. Der Prinz war verzweifelt. Niemand wußte vom Brot des Glücks, niemand hatte auf seine Frage eine Antwort.

Als er in seiner Angst und Sorge dasaß, kam ein Kind des Weges und schaute ihn an: "Du hast Hunger", sprach es und reichte ihm ein Stück Brot. "Da nimm, ich habe nicht mehr, aber mit dir will ich teilen."  Der Prinz nahm das Brot, und sogleich verschwand seine Not, als sei sie nie dagewesen. "Das Brot des Glücks!" rief er. "Du hast das Brot des Glücks. Schnell, gib mir mehr davon! Wo hast du es her?" "Das ist das Brot, das meine Mutter heute Morgen gebacken hat. Sie gab es mir, damit ich keinen Hunger zu leiden brauche. Du hattest Hunger, und so teilte ich mit dir."

"Das ist alles?" fragte der Prinz. "Ist es kein besonderes Brot?" "Nein, es ist wie jedes andere Brot, aber weil es zwischen dir und mir geteilt wurde, ist es für dich das Brot des Glücks geworden."

Da erkannte der Prinz, wo das Brot des Glücks für alle Zeit zu finden war. Er kehrte zu seinem Vater zurück und erzählte ihm, wie er das Brot des Glücks gefunden und wie es ihm geholfen hatte, mit seiner Verzweiflung fertig zu werden. Von da an wußte der Vater, daß der Prinz genau wie er selbst das Reich mit Liebe und Weisheit regieren würde alle Tage seines Lebens.

 

aus: Stefanie Spendel, Leben und Freude durch Gottes Worte, Gottesdienste für Familien - Lesejahr B, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1984, S. 207

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