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Hirtenwort von Bischof Benno Elbs im Advent 2019

Draußen vor der Tür

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Advent ist eine Zeit der offenen Türen. Schon die 24 kleinen Türen des Adventkalenders sind eine Einübung, Türen zu öffnen und sich überraschen zu lassen von den Bildern, Geschichten oder Süßigkeiten, die dahinter auf einen warten. Auch das alt-bekannte Adventlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ spricht die Einladung aus, den ankommenden Herrn, den „König der Herrlichkeit“ (Ps 24,7ff.), zu empfangen.

Offene Türen stehen für Gastfreundschaft, eine Grundhaltung des Advents. Nachdem Menschen die Türen verschlossen hatten, wird der Sohn Gottes in einem Stall geboren und wie wir Gast auf Erden. Deshalb stellt uns das Evangelium des heutigen ersten Adventsonntags auch die Frage: Rechne ich damit, dass Gott in mein Leben kommt? Sind die Türen meines Herzens für ihn offen? „Seid wachsam!“, ruft uns Jesus zu. Mit anderen Worten: Haltet eure Türen offen, schließt euch nicht ein. Denn es kann sein, dass Gott sich jederzeit einmischt in die Geschichte der Welt und die Geschichte deines Lebens. Er drängt sich nie auf und zwingt nicht, sondern klopft leise und bietet sich an. Er sucht unentwegt immer neue Wege zu uns Menschen. Offene Türen haben zwei Seiten: ein Innen und Außen. Sie führen hinein, aber auch hinaus ins Weite, ins Vertraute und Fremde. Der Mensch gewordene Gott, der mit Vorliebe an der Seite der Entrechteten und Sünder lebte, der geheilt und versöhnt hat und schließlich gekreuzigt wurde, ist für uns zugleich auch ein Türöffner hinaus zu den Menschen.

Wer Christus bei sich aufnimmt, bleibt nicht daheim, sondern wagt den Schritt hinaus. Dort, draußen vor der Tür, können wir den Glauben ganz neu lernen. „Dem Hungernden Brot verschaffen ist Wegbereitung für das Kommen der Gnade“, hat der Theologe Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Christinnen und Christen sind Wegbereiter des kommenden Gottes. Durch unser Leben machen wir die offene Tür für andere, besonders für die Armen, im Hier und Jetzt sichtbar und erfahrbar.

Offene Türen für Notleidende zu haben, ist auch seit vielen Jahren das Programm von „Bruder und Schwester in Not“. Ich lade Euch ein, an einem Netzwerk der Nächstenliebe mitzubauen. Darum bitte ich Euch, die Adventsammlung „Bruder und Schwester in Not“ in diesem Jahr wiederum mit besten Kräften zu unterstützen. So werden Solidarität und Menschlichkeit Tür und Tor geöffnet. Gleichzeitig danke ich Euch für Eure Mithilfe und Euer Engagement auch während des ganzen Jahres.

Für den kommenden Advent wünsche ich uns allen, dass wir für das Ankommen Gottes in unserem Leben wachsam sind. Wagen wir aber auch Schritte hinaus vor die Türen, um Nöte zu lindern und Herzen der Menschen zu wärmen. Euch und Euren Familien einen gesegneten Advent. 

Bischof Benno Elbs

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